Aktuelle Marktlage: Appell an die Preispflicht und Partnerschaft der Hersteller und Lieferanten

In den vergangenen Wochen verzeichneten die rund 2'800 an unseren Verband angeschlossenen ausführenden Gebäudetechnik-Unternehmen eine ungewöhnliche Häufung von Preisanpassungsschreiben. Viele dieser Aufschläge treten zwischen Mai und Juli 2026 in Kraft. Der Verband hat sich deshalb in einem offiziellen Schreiben direkt an die Hersteller und Lieferanten gewandt, um zu differenzierten Lösungen aufzurufen und die Schweizer Marktrealität einzufordern.

Wir nehmen die globalen Kostenentwicklungen und die Argumente bezüglich gestiegener Kosten bei Energie, Rohstoffen und Logistik ernst. Wir anerkennen auch ausdrücklich jene Marktakteure, die Preisanpassungen sachlich nachvollziehbar, moderat und produktscharf – beispielsweise gezielt auf erdöl- oder metallbasierte Produktlinien – eingrenzen.

Gleichzeitig beobachten wir jedoch eine Zunahme von flächendeckenden oder pauschalen Aufschlägen im Bereich mehrerer Prozente. Aus Sicht des Verbandes sind diese durch die tatsächliche, aktuelle Kostenlage in der Schweiz oft nicht durchgängig gedeckt.

Die Schweizer Marktrealität spricht eine andere Sprache

Der Verband fordert die Hersteller und Lieferanten auf, das Schweizer Marktumfeld in seiner Gesamtheit zu berücksichtigen. Die harten Fakten zeigen ein anderes Bild als pauschale Teuerungsargumente:

  • Tiefe Inlandteuerung: Die Schweizer Teuerung lag im Mai 2026 bei lediglich +0,6 % gegenüber dem Vorjahr (Landesindex der Konsumentenpreise, BFS). Die SNB-Prognose für das Gesamtjahr beträgt rund 0,8 % – eine der tiefsten Raten in ganz Europa.
  • Starker Schweizer Franken: Der starke Wechselkurs verbilligt importierte Vorprodukte spürbar und dämpft die importierte Teuerung massiv.
  • Rückläufige Rohstoffpreise: Heizöl und Erdölprodukte sind gemäss BFS zuletzt sogar gesunken. Auch der Spotpreis für Stahl bewegt sich seitwärts bis leicht rückläufig.


Existenzrisiko bei laufenden Projekten und Pauschalaufträgen

Besonders schwer treffen diese kurzfristigen Aufschläge die ausführenden Betriebe bei bereits laufenden Projekten. Die meisten Unternehmen stecken in Pauschalaufträgen mit fest vereinbarten Werkpreisen fest. Eine nachträgliche Teuerung lässt sich an die Bauherren schlicht nicht weitergeben.

Bei Bauvorhaben, die über ein bis zwei Jahre oder länger dauern, wurden die Verträge lange vor den heutigen Preisschreiben kalkuliert. Da die ausführenden Betriebe die Mehrkosten vollständig selbst tragen müssen, schmälert dies die ohnehin engen Margen, gefährdet die Planungssicherheit und schwächt letztlich die Leistungsfähigkeit verlässlicher Geschäftspartner.

Fünf konkrete Forderungen für eine faire Partnerschaft

Der Verband appelliert eindringlich an die unternehmerische Vernunft und die gelebte Partnerschaft in der Branche. In seinem Schreiben an die Lieferanten fordert er folgende fünf konkrete Massnahmen:

  1. Produktscharfe Begründung statt Pauschalen: Transparenter Ausweis, an welchem konkreten Rohstoff- oder Energieanteil sich ein Aufschlag bemisst, statt pauschaler Sortimentszuschläge.
  2. Berücksichtigung des Währungsvorteils: Einberechnung des starken Frankens als preisdämpfender Faktor bei importbasierten Produkten.
  3. Zeitliche Staffelung: Verzicht auf gebündelte Erhöhungen per Stichtag, damit KMU Zeit haben, ihre Kalkulationen anzupassen.
  4. Bestandsschutz für laufende Projekte: Garantierte Preise für bestehende Pauschalaufträge, laufende Projekte und bereits unterbreitete Offerten – insbesondere bei mehrjährigen Bauvorhaben.
  5. Faire Übergangsfristen: Gewährleistung verlässlicher Preisgarantien für die Angebotsphase.

Eine faire und nachvollziehbare Preisgestaltung liegt im langfristigen Interesse aller Beteiligten. Sie allein sichert stabile Lieferbeziehungen sowie die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Schweizer Gebäudetechnik-Branche.

Haben Sie Fragen zu dieser Thematik und zu besagtem Schreiben ? Die Geschäftsstelle steht Ihnen gerne beratend zur Seite.